Tschüss 2024 – ein Jahresrückblick

September 2024 c484e1b4 a68d 47ac 9a74 e3a1138f3a6d

Was ein Jahr. Wirklich. Wir haben jetzt, den 21. Dezember 2024 und ich erkläre dieses Kalenderjahr für mich jetzt offiziell für beendet. Die letzten 13 Tage jucken mich nicht mehr. 

Genau ein Jahr ist es jetzt her, als der Sturmtief Zoltan einen Tornado durch Teile Kölns schickte, in dessen Reiseroute dummerweise auch mein Studio gelegen war. Jetzt, ein Jahr später, werfe ich einen Blick zurück auf die letzten 12 Monate und wunder mich dabei wieder selbst, wie die Zeit zwischen wenigen Höhen und einigen Tiefen vorbeigerast ist. Gleichzeitig freue ich mich dieses Jahr so sehr auf Weihnachten Zuhause, wie ich es mein ganzes Leben noch nicht getan habe.

Viel Hass und sehr wenig Zuversicht

Januar 

Es ist kalt und grau. Nach der Studio-Vergrößerung im letzten Jahr habe ich mir vier Foto-Produktionen ins eigene Studio gelegt. Alle müssen weichen, zum Glück gibt’s ein großes Angebot an Mietstudios in die ich ausweichen kann. Wir fahren jeden Morgen einmal zum Studio und schauen, ob wir irgendwo helfen können. In erster Linie leeren Johanna und ich Trocknungsgeräte, Eimer und andere Auffangbehälter vom Wasser. 

Ich verbringe eine große Zeit mit der Dokumentation von Schäden (eine klassische Übersprungshandlung) und darf mich erstmals in meinem Leben intensiver mit Versicherungskram beschäftigen, um herauszufinden, dass der Mut zur Lücke ein großer Graben wurde und es nicht nur bei mir Bildungsbedarf bei Versicherungsthemen gibt.

Die Wetter-App zieht erstmals auf meinen Home-Screen ein und ich fange an die kleinen gelben Sonnen zu lieben, den Regen zu hassen und zu hoffen, dass die Temperaturanzeige nicht zu lange eine Zahl mit einem minus davor zeigt.

Dann kommt der Schnee nach Köln. Die Wohnung wird nach 8 Jahren zum ersten Mal wieder zu einem Home-Office und ich beginne Nachbarinnen und Nachbarn, die in ihren Ateliers gegen den Wassereinbruch kämpfen zu porträtieren. Weils auch die Garage erwischt hat, muss alles raus, was kein Auto ist. Ich beginne hemmungslos alles abzustoßen. Entweder wird es verkauft oder es kommt auf den Schrott.

Beim Ausräumen, Umlagern, Ausmisten, Sortieren finde ich einen alten Brief meiner Oma. Es ist eher ein Gedicht. Sie hat es mir zu meinem 18. Geburtstag geschrieben und ich hatte es seitdem auch nicht mehr in der Hand. Ziemlich sicher habe ich es damals auch nicht verstanden. Es bewegt mich dafür dieses Jahr umso mehr, deswegen schriebe ich es hier einfach ab:

Lieber Ben,
Nun ist sie vorbei die Kinderzeit,
drum herzlichen Glückwunsch zur Volljährigkeit.
Ab heute kannst du tun machen
all’ die verrückten Sachen,
die dir das Gesetz und deine Eltern nicht erlaubten,
weil sie Dich noch zu jung dafür glaubten. 

Doch so einfach wie du denkst, ist das nicht,
es gibt, neben der Kür auch eine Pflicht,
das heißt, die Verantwortung für dein Handeln und Denken
Kannst du nun nicht mehr auf deine Eltern lenken.

Du wirst viele neue Wege gehen
Und erst nach Jahren wirst du sehen:
Waren sie gut und waren sie richtig?

Wenn nicht, schaue trotzdem weiter voraus 
und denk immer: ich lerne daraus.
Dass dir das gelingt aufs Beste
wünschen dir heute deine Gäste.

Februar

Es ist Karneval in Köln und unsere Studio-Nachbarn laden uns zur Lachenden Kölnarena ein. Weil auch sie vom Tornado-Schaden betroffen sind, ist das diesjährige Motto: Da fliegt dir doch das Dach weg. Es ist ein lustiger Abend und eine schöne Ablenkung von allem.

Im Studio werden unsere Oberlichter provisorisch ersetzt. Durch Platten aus dem beschädigten Gebäude-Teil, die noch halbwegs funktionsfähig sind. Zwischenzeitlich haben wir also ein komplett geöffnetes Oberlicht. Danach können wir endlich mit dem Entfeuchten beginnen. Wenn ich durchs Veedel laufe, fotografiere ich immer noch jegliche Fundstücke vom Tornadoabend.

Außerdem bin ich erstmals bei einem Herrenausstatter. Ich bin dieses Jahr zum ersten Mal Trauzeuge und darf den gesamten Prozess begleiten. Eine Erfahrung.

März

Maxim gibt in Köln sein Karriereende bekannt und spielt ein letztes Mal im Gloria. Ich mache diesmal fast keine Fotos und genieße von Ort und Stelle.

Hinter meinem Studio wird weiter am Gebäude gearbeitet und Zurückgebaut. Dach und Wände abgetragen. Das Haus steht hier nun offen der Witterung ausgesetzt. Das wird auch noch einige Monate so bleiben.

Erstmals besuche ich auch das Fotolabor meines Vertrauens (Mein Film Lab) und mache eine kleine Fotoreportage. Seit Jahren schicke ich alle meine Filme zur Entwicklung und Digitalisierung zu Jörg und seinem Team.

Das Kölnische Stadtmuseum hat seinen Umzug vollbracht und ich bin zur offiziellen Eröffnung eingeladen. Auch eins meiner Fotos vom Wasserschaden 2018 im Stadtmuseum hat es in die Ausstellung geschafft. Ich muss etwas lachen, weil Wasserschäden gerade mein Lebensthema Nummer 1 sind. Das Museum ist wirklich schön geworden und ich habe einen tollen Abend.

April

Wibe & Wein lädt zum Day Drinking in die Kunstbar ein und an einem frischen Frühlingssonntag, genießen wir Drinks und Ambiente der Kunstbar am Dom. Gegen Nachmittag laufen wir zum Knobelbecher und lassen den Sonntag ausklingen. So ein Typisch „Urlaub-in-der-eigenen-Stadt“ Tag. War schön.

Es ist wieder Gameplan-Conference in der Motorworld und die Freunde von der Agentur Brandmeister nehmen uns auch dieses Jahr mit. Es ist wieder ein Top Event. Highlight ist die Keynote von XAVIER ASENSI (CBO bei Inter Miami) der Einblicke gibt, wie der Verein damals Lionel Messi überzeugen konnte nach Miami zu kommen. Du kannst den Vortrag jetzt hier kostenlos schauen.

Ich fotografiere die Dubmones in ihrem Studio in Köln und entdecke dadurch einen neuen dieser Kölner-Orte, die ich so sehr mag. Verbaut, versteckt, aber gemütlich und mit viel Charme.

Mai

Weil wieder irgend ein Startup seine gesamte Mietwagen-Auto-Flotte nach einander in der Waschbox der Tankstelle wäscht, fahren wir in den Waschpark nach Dünnwald. Allein das grell-pinke „Waschmittel“ aus der Anlage macht mir Freude.

Ich besuche im Mai Künstler Janosch Goy in seinem Atelier-Pool in Wuppertal. Auch spannend.

Außerdem schieße ich neue Fotos für meinen Lieblingsbäcker prot von Alex und wir fahren danach ein paar Tage an die See.

Anonsten wird viel ausgemistet, umgeräumt, verstaut, sortiert und entsorgt. Ich will vorbereitet seit, wenn die Studio-Baustelle irgendwann richtig losgeht.

Dann mache ich etwas, was ich in Köln noch nie gemacht habe: Ich fotografiere spontan sehr gezielt Kölner Rheinbrücken weil Eko Fresh für seine Single „Bunte Brücke“ mit Brings noch ein Cover braucht.

Ende Mai besuche ich Vato vom Clasik Studio mit der Kamera. Er fertigt Beton-Möbel und Beton-Accessoires als echte Unikate und brauchte neue Fotos.

Juni

Ich darf für die Gaffel Brauerei Stadtgeklimper für Stimme für Köln fotografieren. Johanna macht ein sagenhaftes Making-Of davon.

Um die Ecke unserer Wohnung wird der Fressnapf mit Waffen überfallen und wenig später streift die Polizei samt Helikopter durch das Veedel.

Es geht für einen kurzen Trip nach Grünwald und ich probiere mich am Augustiner. Ich nehme mir vor, meine neue Kamera, eine Contax T3, dieses Jahr konsequent mitzunehmen und alles zu dokumentieren, was sich nicht versteckt.

Ich kaufe mir meine erste digitale Mittelformat-Kamera. Eine Fujifilm GFX 100 II. Sie soll meine in die Jahre gekommene Canon 5D Mark IV ersetzen. Ich merke schnell: Die Daten sind geil, die Daten sind riesig.

Juli

Es ist Juli und ich trage das erste Mal in meinem Leben Anzug.

Außerdem produziere ich neue Fotos für VIVI MARI, das Label aus Köln. Mit Jenny und Johanna fahren wir einen Tag nach Domburg ans Meer, wo ich unter anderem die GFX ausgiebig teste und wir ziehen sommerlich durch Köln und lassen uns treiben, wenn jemand gute Ideen hat.

Wir schließen uns Fenni, Tim, Kai und Amira an und verbringen zwei Tage an der Mosel auf einem Campingplatz. Es ist ein perfektes Sommer-Wochenende ohne Programm und ich liebe es.

In Köln regnet es aus Eimern und große Mengen Wasser treten an neuen Stellen ins Gebäude ein.

Der Vermieter unserer Wohnung ist so nett und stellt uns Platz im Keller zur Verfügung. Ich bestelle Schwerlast Regale und fange an Wichtiges aus dem Studio in unseren privaten Keller umzuräumen.

August

Wir besuchen endlich nach vielen Jahren Moritz Schleiffelder in Neustadt an der Weinstraße und haben ein schönes Wochenende. Schöne Abwechslung mal wieder rauszukommen.

Ich besuche Grain over Pixel in Köln und mache ein paar Fotos von dem Onlineshop für Analogkameras. Zufällig läuft mir Murat Aslan bei seinem Kölnwochenende in die Arme und wir ziehen spontan etwas durch die Stadt.

September

Wir machen ein paar Tage Callantsoog um nochmal vor dem Winter aus der Bude zu kommen. Das Wetter ist gut, die Landschaft schön.

Dann darf ich die erste fotografische Kampagne des KÖLNISCHES STADTMUSEUMS fotografieren. Ich gewinne den Pitch, wir produzieren an zwei Tagen im Stadtmuseum 4 Motive für die Kampagne mit der Kölner Agentur ENORM Design und ich bin sehr happy. Ende des Jahres hängen die Motive in der gesamten Stadt.

Dann geht’s für ein paar Tage nach Südtirol auf dem Hinweg machen wir einen Abstecher in Liestal bei Joel und seiner Familie. Immer schön.

Im September sind auch wieder Offene Ateliers in Köln. Seit 2016 bin ich das erste Mal als Gast und nicht als teilnehemnder Künstler dabei. Sascha kommt vorbei und wir packen ein paar Weingläser, Eiswürfel, Sprudelwasser und Weißwein in den Rucksack und laufen durch das Haus.

Außerdem spielen die Grüngürtelrosen ihren zweiten Sommergarten im Tanzbrunnen. Das Wetter ist top. Sie haben auch die Hamburger Goldkehlchen zu Gast. Der Tag ist durchwachsen, dafür bekomme ich ein Foto von Florian Schüppel – den Fotografen den ich seit Jahren für seine Lifestyle Fotos feier. Highlight.

Oktober

Ich darf Simon Beeck für die Privatbrauerei Gaffel fotografieren. Außerdem bin ich zum ersten Mal mit ein paar Bildbänden beim Flohmarkt im Belgischen Viertel dabei. Der Verkauf läuft es geht so, aber es ist ein schöner Tag mit ein paar netten Begegnungen. Ich baue die ersten Mockups für meinen neuen Wandkalender „Snapshots from Cologne“ und kündige das Ding offiziell an!

November

Es ist ART Cologne in Köln. Wir hängen einen Abend am Gaffel Stand ab und fahren danach mit einer lustigen Truppe noch ins King Georg zum Lagerfeuer Deluxe. Ein Abend mit viel Kölsch und etwas Sturm und Drang. Ich treffe mich mit Jules in seiner Werkstatt und wir verpacken unsere Snapshots from Cologne Exemplare für den Versand, damit sie in den ersten Dezember Wochen bei den Empfänger:innen ankommen.

Größte Neuigkeit: Wir bekommen endlich ein provisorisches Schutzdach. Ein riesiges Gerüst wird aufgebaut und der halbe Gebäudeteil damit eingerüstet. Damit ist es jetzt drinnen endlich trocken! Ich verbringe viel Zeit damit, meinen Server im Studio leer zu räumen und abzubauen. Die Daten sortiere ich noch einige Monate. Vieles lösche ich auch.

Dezember

Am 1. Dezember werde ich 34 Jahre alt. Dieses Jahr gibt’s keine Feier, ich fühl es einfach nicht und habe keine Lust. Wir spazieren am Sonntag zum Knobelbecher bei bestem Kaiserwetter und treffen uns relativ spontan mit ein paar Freunden zum Frühshoppen. Ich mache den Dezember zu meinem Partymonat und nehme jede Weihnachtsfeier und jeden Trinkanlass mit, der sich mir bietet. Wir treffen uns in kleiner Runde auf dem Weihnachtsmarkt am Heumarkt für einen Abend, besuchen die Weihnachtsfeier der Kulturschaffner (sehr sehr schön!) und schauen was passiert. Am 23. Dezember haue ich in die alte Heimat ab und verbinge ein paar entspannte Tage bei meiner Familie. Das erste Mal seit Beginn der Pandemie und ohne Tornado-Einschlag kurz vorher.

Silvester feiern wir das erste Mal in der Stadt, im Belgischen Viertel. Es ist eine kleine private Runde und es ist das entspannteste Silvester seit vielen Jahren. Ich vermisse zwar auch unsere kleinen privaten Silvesterfeiern im Studio, die jetzt auch schon seit vier Jahren pausieren. Trotzdem starte ich in der Nacht sehr zufrieden ins neue Jahr und trinke keinen Tropfen Alkohol mehr…

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